Posted by admin  |  January 5, 2020

Es ist mal wieder soweit: Ein neues Jahr hat begonnen und für viele ist klar, das wird ein gutes Jahr, vielleicht sogar das allerbeste! Gegen diese Hoffnung oder dieses Bestreben ist natürlich gar nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Mit dieser Hoffnung oder diesem Glauben ist jedoch meist der Wunsch verknüpft, dass sich einige Dinge grundlegend ändern. Wenn wir diese Erwartung nicht hätten, wäre das gerade vergangene Jahr schließlich auch schon ein wunderbares gewesen und wir hätten keinen wirklichen Anreiz auf ein besseres zu hoffen. Gerade aber der Glaube an eine Veränderung, eine Verbesserung am liebsten, ist es, der für so viele Menschen Silvester und den Jahreswechsel so kraftvoll macht.

Mit dieser Hoffnung einher geht das Vornehmen von guten Vorsätzen. Die Seite „statista“ hat die guten Vorsätze der Deutschen für das Jahr 2019 erfasst. Vor genau einem Jahr wollten 62% der Deutschen Stress vermeiden oder abbauen. Fast genauso viele Menschen in Deutschland wollten im Jahr 2019 mehr Zeit ihrer Familie und ihren Freunden widmen und ganze 51% hatten den Wunsch, sich selbst mehr Zeit zu widmen. Ebenfalls etwa die Hälfte der Befragten hat sich die sehr vertrauten Ziele, mehr Sport zu treiben und gesünder zu essen, zum Jahresziel gemacht. Interessanterweise wollten nur etwa ein Drittel der Befragten Gewicht verlieren und nur 11% das Rauchen aufgeben.

Jeder dieser Vorsätze ist nachvollziehbar und löblich und doch haben sie eine alles überragende Gemeinsamkeit: Wir halten sie in den meisten Fällen kaum länger als ein paar Wochen durch, unsere Vorhaben scheitern und die damit einhergehende Unzufriedenheit steigt. Was läuft da schief? Was machen wir falsch? Warum gelingt uns das so sehr gewollte Vorhaben nicht? Und ergibt es dann überhaupt noch Sinn, sich gute Vorsätze zu machen oder sollten wir das einfach bleiben lassen?

Hierauf möchte ich mit einem Zitat von Vincent van Gogh antworten:

„Wandlung ist notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling.“

 

Ich halte grundsätzlich jeden Tag für geeignet, eine Veränderung einzuleiten. Dazu zählt natürlich auch der Jahreswechsel. Die entscheidende Frage dabei ist jedoch, auf welche Weise wir diese Veränderung herbeiführen möchten. Davon hängt maßgeblich ab, ob sie auch tatsächlich gelingen können. Im Folgenden möchte ich ein paar Überlegungen mitgeben, die einen Anhaltspunkt dafür bieten, warum uns unsere Vorhaben besser oder schlechter gelingen. Diese Punkte sind keinesfalls vollständig, treffen bei dem Einen oder Anderen aber vielleicht zu:

Bedeutsam oder belanglos?

Um unsere Ziele zu verfolgen, benötigen wir Energie. Je mehr Energie wir für die Erreichung eines Ziels bündeln, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir dieses Ziel irgendwann tatsächlich erreichen werden. Energie ist jedoch eine endliche Ressource – eine Erkenntnis, die viele Workaholics nicht wahrhaben wollen – und eine große Menge von ihr fließt meist schon in unsere alltäglichen Aufgaben. Vielleicht kennst du das, du nimmst dir etwas vor (z.B. gesünder zu essen) und hältst dieses Vorhaben in deinem Urlaub auch wunderbar durch. Dann kommt der Alltagsstress zurück, dein Energielevel sinkt und die Energie, die du für deine Bemühungen einer gesünderen Ernährung bräuchtest, ist aufgebraucht. Du isst eine Tiefkühlpizza auf der Couch. Hoffentlich mit einem guten Gefühl, denn wie gesagt, unsere Energieressourcen sind endlich und niemand von uns ist ein Übermensch.

Der Knackpunkt hierbei ist die Bedeutsamkeit, die unser Ziel für uns persönlich hat. Nehmen wir wieder das Ernährungsbeispiel. Käme der Wunsch nach einer besseren Ernährung aus einem diagnostizierten Mangel oder einer ernährungsbedingten Erkrankung, würden wir unsere Energie anders verteilen und sicherstellen, dass unsere Mahlzeitenversorgung ausreichend Platz in unserem Tag findet. Dieses Gedankenspiel lässt sich auf jedes andere Beispiel gleichermaßen übertragen. Je bedeutsamer ein Anliegen für uns persönlich ist, desto leichter wird es uns fallen, dieses auch zu verfolgen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wenn es uns zum wiederholten Male nicht gelingt, einen guten Vorsatz einzuhalten, dann hat er vielleicht in unserem Leben gerade keine besonders hohe Bedeutung. Dann ist es vielleicht auch in Ordnung, diesen Vorsatz erst einmal wieder lockerer zu sehen, bis er an anderer Stelle eine wichtigere Bedeutung erhält.

Äußerer oder innerer Anreiz?

Wie oft streben wir nach etwas, das gar nicht aus unseren innersten Bedürfnissen her rührt, sondern vielmehr durch äußere Reize getriggert wird. Zum Beispiel beim Thema Abnehmen kann diese Frage ganz entscheidend die eigenen Motive und damit auch die dahinterstehende Motivationsenergie beleuchten. Wenn das eigene Bedürfnis nach Gesundheit, einem besseren Körpergefühl oder einem gesünderen Essverhalten zu dem Vorsatz führt, Gewicht verlieren zu wollen, stehen die Chancen ziemlich gut, auch langfristig an diesem festzuhalten. Hingegen ist es deutlich schwieriger, an einem im Außen liegenden Anreiz dranzubleiben, wenn beispielsweise der Schönheitswahn der Werbe- und Modeindustrie, die Eltern, die an Weihnachten mal wieder alles kritisieren oder aber die beste Freundin, die viel schlanker ist, Auslöser für Abnehmbemühungen sind.

Auch hier gilt, wenn uns immer und immer wieder das Vorhaben einfach nicht gelingen mag, dann liegt dieses Bedürfnis vermutlich nicht wirklich in uns selbst und wir sollten uns bei dem Thema etwas entspannen. Viel wichtiger ist dann die Frage, was wir uns von dem Erreichen des Ziels versprechen und ob dies realistische oder romantisierte Vorstellungen sind.

Konkret oder allgemein?

Selbst dann, wenn wir uns ein wirkliches Herzensthema zum guten Vorsatz machen, kann es passieren, dass wir nicht lange an diesem festhalten. Oftmals überfordern wir uns selbst mit der Formulierung unseres Anliegens, indem wir das Gewünschte viel zu unkonkret formulieren. Auch wenn es unbedeutend erscheinen mag, macht es für die Umsetzung einen großen Unterschied, ob wir uns vornehmen, gesünder zu essen oder aber, ob unser Ziel lautet, an mindestens vier von sieben Tagen in der Woche selber zu kochen und in erster Linie Gemüse zuzubereiten. Letzteres ist für unser Gehirn leicht zu verarbeiten und beinhaltet ein ganz konkretes „To-Do“, nämlich: Gemüse einkaufen und zubereiten. Das erste Ziel meint vermutlich etwas ähnliches, lässt jedoch enorm viel Spielraum, wann, wie und wo wir dieses umsetzen.

Zu viel auf einmal…

Auch dann, wenn wir es schaffen, unsere guten Vorsätze konkret zu formulieren und ausschließlich Herzensthemen hierbei zu berücksichtigen, kann es passieren, dass wir uns selbst überfordern. Nämlich dann, wenn wir alles auf einmal wollen. Ich selbst bin so ein Typ, ich möchte am liebsten alle meine Ideen gleichzeitig verfolgen und enttäusche mich dann selbst, wenn mir nicht alles gelingt. Wir sollten uns öfter klarmachen, dass unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten begrenzt sind. Je weniger Ziele wir gleichzeitig verfolgen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Denn auch hier gilt wieder das Prinzip der Energieverteilung. Wenn ich fünf Ziele gleichzeitig verfolge, erhalten alle diese Ziele nur ein Fünftel meiner verfügbaren Energie. Ich bewege mich also nur sehr langsam oder in Bruchstücken und habe somit wieder einen weiteren Anlass für Enttäuschung.

Auch hier passt das Thema Bedeutsamkeit hin. Es ist eigentlich nie so, dass wirklich alle unsere Ziele gleich bedeutsam sind. Wenn wir es schaffen, die wichtigeren herauszufiltern, können wir die anderen erstmal beiseiteschieben. So schaffen wir uns Erfolgserlebnisse und haushalten besser mit unserer Energie.

Machbar oder unerreichbar?

Auch diese Frage sollten wir uns immer mal stellen, wenn wir bemerken, dass wir unseren Vorsatz einfach nicht einhalten können. Möglicherweise liegt das angestrebte Ziel außerhalb unseres Einflusses und wir zappeln wie ein Fisch auf dem Trockenen ohne vorwärts zu kommen. Auch hier lassen sich leicht extrinsische Anreize identifizieren, da diese nicht selten außerhalb unseres Einflussbereiches liegen. Ob wir einen bestimmten Job bekommen oder aber ob uns unsere große Liebe über den Weg läuft, liegt nur bedingt oder manchmal auch gar nicht in unserer Macht. Es ist also sinnlos und frustrierend, unsere Vorsätze auf für uns unbeeinflussbare oder unerreichbare Ziele auszurichten.

Passender Zeitpunkt?

Selbst wenn alles bisher Genannte passt, kann es manchmal sein, dass es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für unser Ziel ist. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, die geplante Rauchentwöhnung auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben, wenn bereits vorher klar ist, dass die bevorstehenden Wochen sehr stressig werden. Gleiches gilt für das Ziel abzunehmen. Wenn klar ist, dass in diesem Monat drei Geburtstage mit Essenseinladungen anstehen, dann ist es vielleicht kein günstiger Zeitpunkt für eine Diät. Wichtig ist hierbei jedoch, einen festen Zeitpunkt für den Start des Vorhabens auszuwählen, um nicht in die Falle der „Unkonkretheit“ zu tapsen und das angestrebte Ziel auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen.

 

Wer also für sich eigentlich schon beschlossen hat, die guten Vorsätze sein zu lassen, weil es bisher nie funktioniert hat, der kann mit diesen Ansätzen vielleicht nochmal einen Versuch wagen. Denn, um es in den Worten von Henry Ford auszudrücken:

„Misserfolg ist lediglich eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen.“

Auf ein gutes Jahr 2020!

 

Quellen:

https://de.statista.com/infografik/16460/gute-vorsaetze/v


Latest News
Panikmache_Anriss.jpg
Zum aktuellen Zeitpunkt ist es nicht nur schwer, sich ein differenziertes Bild der Situation rund um Corona zu machen. Noch viel schwerer ist es, sich nicht von der unruhigen Stimmung verrückt machen zu lassen. Warum dies aber aus meiner Sicht wichtig ist, um gesund und in der eigenen Mitte zu bleiben und wie uns dies gelingen kann, darum geht es in diesem Text.
quotes-729173_640.jpg
Viele sprechen davon, die meisten wissen es eigentlich, aber nur die wenigsten leben danach: Das Wertvollste, das wir besitzen, ist unsere Lebenszeit. Anstatt uns also im Aufschieben, Abwarten und Vertrösten zu üben, sollten wir mit aller Dankbarkeit und Wertschätzung, die wir aufbringen können, diese Zeit bewusst und aktiv gestalten und erleben.
cold-1284030_640.jpg
Die Erkältungszeit erzeugt in uns häufig ein großes Dilemma: Die beruflichen und privaten Verpflichtungen vs. die eigene Gesundheit. Es gibt jedoch wichtige und gute Gründe, hierzu eine andere Einstellung zu gewinnen und sich der Endlichkeit unseres körperlichen und psychischen Wohlbefindens bewusst zu werden.
Konversation wird geladen