Posted by admin  |  August 23, 2019

Wir hatten neulich Besuch von einem jungen aus unserem Basketballverein, der mit uns ein Spiel schauen wollte. In der Pause haben wir uns Quatschvideos angeguckt, in denen Profispieler imitiert wurden. Die Reaktion unseres Besuchers auf diese Videos hat mich derart beeindruckt und zum Nachdenken gebracht, dass ich diese Gedanken hier gerne teilen möchte.

Selten habe ich ein derart herzliches, echtes und mitreißendes Lachen erlebt, das ich in dem Moment miterleben durfte. Angesteckt von dieser Lebensfreude konnte ich gar nicht anders, als ebenfalls aus voller Kraft zu lachen. Was für ein tolles Gefühl. Kein Vergleich zu dem an der Oberfläche kratzenden “erwachsenen” Gegluckse, das man üblicherweise von sich gibt.

Die Fragen, die mir kurz danach in den Kopf schossen, waren: Wann verlernen wir dieses Lachen? Wohin verschwindet diese Leichtigkeit? Wann werden wir so ernst und kontrolliert?

Schaut man sich auf einem Spielplatz um, kann man den meisten Kindern noch diese geheimnisvolle Lebensfreude und Unbedarftheit anmerken. Gerade das macht mir an der Arbeit mit Kindern oder besser an dem Zusammensein mit Kindern besonders viel Spaß. Die meisten jungen Menschen haben eine bejahende Art dem Leben gegenüber, einen Wissensdrang und eine Neugier sowie diese Leichtigkeit, die den meisten Erwachsenen abhandengekommen ist.

Es ist kein Geheimnis, sondern sehr gut erforscht, dass lachen sich positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. Es verbessert die Lungenfunktion, versorgt das Gehirn mit einer Sauerstoffdusche und massiert die inneren Organe. Die Immunabwehr steigt, Stresshormone bauen sich ab und Glückshormone werden freigesetzt.1 Darüber hinaus drückt beim Lachen (oder auch nur beim Lächeln) der Gesichtsmuskel zwischen Wange und Auge genau auf den Nerv, der unserem Gehirn eine fröhliche Stimmung signalisiert.2

Jeder, der sich an seinen letzten Lachanfall erinnert, kann dies bestätigen und weiß, welch tolles Geschenk die Fähigkeit zu Lachen ist. Umso irritchild-3245955_640.jpgierter müssten wir doch beobachten, wie uns diese Fähigkeit im Laufe unseres Älterwerdens immer mehr abhandenkommt. Warum stört uns das nicht? Warum wehren wir uns nicht dagegen und holen uns das Lachen zurück?! Obendrein haben Untersuchungen aus der Glücksforschung ergeben, dass Menschen vor etwa 50 Jahren dreimal mehr gelacht haben als wir heute.

Leider sind wir beim Älterwerden mit verschiedenen Hürden konfrontiert, die uns und unsere Fähigkeit zu lachen vor eine Herausforderung stellen. Da sei zuerst einmal der Übergang vom Kindsein in die Pubertät zu nennen. In dieser Phase orientieren wir uns mehr und mehr an den Verhaltensweisen älterer Personen. Wir möchten aus unseren kindlichen Schühchen schlüpfen und zu Erwachsenen werden, ohne jedoch eine Vorstellung davon zu haben, was das Erwachsensein eigentlich ausmacht. Wir wissen zu dieser Zeit lediglich, dass Ältere irgendwie cooler sind. Die albern nicht so herum, sondern “chillen” eher, sind lässig und meeeega souverän - so zumindest die verzerrte Wahrnehmung eines vorpubertären jungen Menschen. Vielleicht ist aber das schon genau der erste Trugschluss. Woher kommen diese vermeintliche Lässigkeit und wahrgenommene Souveränität? Möglicherweise orientieren wir uns hier schon an Personen, die nicht gereift sind, sondern etwas verloren haben. Wie sonst ist zu erklären, dass ernst sein und Steifheit als Reife wahrgenommen werden?

Ob die Leichtigkeit und Fröhlichkeit nun verloren, vergessen oder unterdrückt werden, zumindest scheint es einen Anteil in uns zu geben, der uns nach etwas streben lässt, das mir aus heutiger Sicht so viel ungesünder erscheint, als die kindliche Leichtigkeit. So habe ich beispielsweise aus meiner Jugend noch ziemlich genau in Erinnerung, wie anstrengend es sich manchmal angefühlt hat, immer cool und lässig sein zu wollen. Damals war mir eigentlich alles peinlich, ich wollte unbedingt zu den Coolen dazugehören und auf gar keinen Fall als Kind wahrgenommen werden. Gefühlt habe ich zu dieser Zeit eine Menge, Leichtigkeit war jedoch nur in den seltensten Fällen dabei.

Wir bekommen vorgelebt, wie es ist, ein Erwachsener zu sein von Personen, die selbst nur imitieren, was sie vorgelebt bekommen haben. Denn seien wir mal ehrlich: Faktisch sind Erwachsene auch nur groß gewordene Kinder. Es gibt keine Schwelle, über die wir treten und ganz plötzlich sind wir erwachsen. Natürlich glauben wir das als Kind, denn schließlich wussten Erwachsene schon immer alles, insbesondere unsere Eltern. Die waren ja schließlich erwachsen, hatten alles im Griff, waren immer souverän....dachten wir damals zumindest. Und dann wird man selber erwachsen (wobei, eigentlich werden wir nur alt) und fühlt sich gar nicht anders. Klar, wir lernen Dinge dazu, müssen plötzlich mehr Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, für alles Mögliche geradestehen. Aber wann genau war der Tag, an dem wir nicht mehr Kind, sondern ganz plötzlich ein Erwachsener geworden sind?

Als Kind hofften wir darauf, dass uns die Konfirmation oder die Jugendweihe oder vielleicht der 18. Geburtstag oder unser Erstes Mal uns endlich zu Erwachsenen werden lässt. Umso größer war sicherlich bei dem Einen oder Anderen die Enttäuschung, als sich nach den besagten Ereignissen so gar nichts anders angefühlt hat. Wie oft hat mich die Frage frustriert “Und, wie fühlst du dich jetzt?”, wobei ich mich genau wie vorher gefühlt habe. Kein Wunder, denn es gibt eben keine Schwelle.

Die Herausforderung, die sich für uns aus dieser Erkenntnis ergibt, ist die Tatsache, dass wir somit das Erwachsensein für uns selber definieren müssen. Wenn es keine natürliche Schwelle gibt, keine Grenze, die für jeden gleich ist und uns ganz automatisch zu einer anderen Person werden lässt, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich um eine willkürliche und künstliche Grenze handelt. Jedes Individuum kann demnach eigene Kriterien definieren für das Erwachsensein und was “besonders erwachsen ist”.

Vielleicht müssen wir es aber auch gar nicht definieren? Warum halten wir es überhaupt für sinnvoll und erstrebenswert, eine Unterscheidung zwischen Kindern und Erwachsenen vorzunehmen? Warum sind es nicht kleine Menschen und große Menschen oder junge und ältere? Klar, rechtlich gesehen kann ich nachvollziehen, dass eine Differenzierung Sinn ergibt. Alkohol, Zigaretten, Strafmündigkeit, für all das bedarf es einer Grenze – aber eben einer künstlich geschaffenen, wie wir uns dabei immer klarmachen sollten!

Ich sehe in der Differenzierung zwischen Kind und Erwachsener vor allem die Möglichkeit einer Hierarchisierung. Wenn wir das Älterwerden lediglich als einen bis zum Lebensende fortlaufenden Prozess ansehen, dann lassen sich keine Aussagen über die Reife, die Erfahrung und die Wertigkeit einer Person treffen. Aus einer solchen Betrachtung heraus müssten wir ein 10-jähriges Kind ebenso respektieren und anerkennen wie einen 60-jährigen “Erwachsenen”. Dies hätte jedoch zur Folge, dass die Bevormundung, die typischerweise von Erwachsenen gegenüber Kindern erfolgt, einen Großteil ihrer Grundlage verliert.

Selbstverständlich müssten wir weiterhin davon ausgehen, dass ein 3-jähriger Mensch noch nicht die Risiken des Straßenverkehrs angemessen einschätzen kann und demnach ein gewisses Maß an Bevormundung anwenden. Das Verhalten eines Kindes und seine Meinung ließen sich jedoch viel schlechter als “kindliches Geschwätz” abwerten, da wir ja, wie gesagt, keine Grenze mehr benennen können, ab der die Meinung dieses Menschen plötzlich einen Wert erhält.

Aus meiner Sicht ist die hier angesprochene Hierarchisierung aber genau ein Knackpunkt, der dazu führt, dass wir im Laufe unseres Lebens unser Lachen und unsere Leichtigkeit verlieren. Mit gezielter Zurechtweisung in Form von “Sei nicht so albern”, “Reiß dich mal zusammen”, “Benimm dich nicht so kindisch”, wird uns bereits früh signalisiert, dass unser Verhalten das eines Kindes ist, nicht jedoch das eines Erwachsenen. Es entsteht der Eindruck einer Schwelle, auf die wir somit sehnlichst und voller Vorfreude warten.

Holt euch euer Lachen zurück!

Was können wir aus dieser Erkenntnis gewinnen? In erster Linie ist mir heute eine Sache klar: Es gibt nichts Falsches daran, “kindisch” zu sein. Es beschreibt lediglich die Leichtigkeit und Unbedarftheit, mit der wir die Welt und unser Leben in jungen Jahren gestaltet haben. Wir sollten uns also lieber ein Beispiel daran nehmen, wie hemmungslos Kinder lachen und herumalbern, ohne darüber nachzudenken, ob das jemand komisch im Sinne von merkwürdig finden könnte oder wie das möglicherweise wirken mag. Ist doch auch egal, solange es uns guttut!

Ich möchte an dieser Stelle also einen klaren Appell aussprechen, mehr zu lachen. Macht euch locker, schaltet den Kopf aus und dann lacht aus voller Kehle. Nicht, weil es einen wichtigen Anlass gibt, sondern einfach, weil es schön ist.

Für all diejenigen, die jetzt sagen “Ich kann das gar nicht....einfach so lachen, wie soll das gehen?”, für die habe ich noch einen kleinen Tipp:

 Fake it, till you make it!

(Täusche es vor, bis es sich von selbst einstellt)

Lächele einfach mehr, nutze kleine Momente, um ganz bewusst (und vielleicht sogar etwas übertrieben) zu lachen. Denn erstens wirken sich selbst diese muskulären Spiele auf das Gehirn und somit auf unser Wohlbefinden aus. Zweitens bauen wir so eine Gewohnheit auf, trainieren unseren Lachmuskel und automatisieren dieses positive Verhalten.

Die renommierte Managementtrainerin und Bestseller-Autorin Vera Birkenbihl (1946–2011) hat in einem Vortrag erklärt, dass wir unseren Stress und Ärger erheblich senken können, wenn wir 60 Sekunden permanent (gekünstelt) lächeln. Auf geht’s!

 

Für alle, die ein bisschen Inspiration brauchen, gibt es hier ein passendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=_r30_HlEnCw

Vorsicht, Lachanfall-Gefahr! ;)

 

 

1 https://www.ugb.de/gesundheitsfoerderung/lachen-ist-gesund/

2 https://www.zeitblueten.com/news/lachen-wirkungen/


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