Posted by admin  |  February 21, 2020

„Und beim Anblick dieser Schönheit fällt mir alles wieder ein. Sind wir nicht eigentlich am Leben, um zu Lieben und zu Sein? Hier würd‘ ich gern für immer bleiben, doch ich bin ein Wimpernschlag, der nach fünf Milliarden Jahren nicht viel mehr zu sein vermag.“

So lauten die Zeilen in einem, wie ich finde, sehr guten Song von Sido und Andreas Bourani. Auf die Zeit der Erde und auch auf die Zeit der Menschheit bezogen sind wir tatsächlich nur ein Wimpernschlag. Wir kommen auf diese Welt, leben unsere 70, 80, vielleicht 90 Jahre hier und gehen dann wieder. Natürlich gibt es Ideen einer Reinkarnation oder eines Lebens nach dem Tod, aber dazu können wir in unserem Leben hier und jetzt nicht viel sagen. Wir können demnach erst einmal nur von dem ausgehen, was wir mit Sicherheit sagen können. Eigentlich müsste die Rechnung auch noch drastischer sein, da einige von uns nicht einmal 70 Jahre alt werden, sondern vielleicht noch viel kürzer hier verweilen. Unser Leben ist oftmals darauf ausgerichtet, dass wir alle wie selbstverständlich das Alter erreichen werden, dass es ein junges, ein mittelaltes und ein altes Leben für uns gibt. Eigentlich ist diese Herangehensweise schon vermessen, da wir nie wissen können, was passiert und was das Leben für uns bereithält. Das hat sich vor kurzem auch wieder am überraschenden Tod des ehemaligen Profi-Basketballers Kobe Bryant gezeigt. Dieser ist bei einem Helikopterflug ums Leben gekommen und die Sportwelt ist zutiefst erschüttert. Aber hey, so kann es nun mal laufen und so läuft es für viele andere Menschen auch, unerwartet, ungeplant und viel zu früh für das, was wir alle noch vorhaben, kann sich der Tod einschleichen und uns mitnehmen.

Ich möchte hier aber gar nicht für trübe Stimmung sorgen oder fatalistische Gedanken streuen. Ich finde nur, dass diese Denkweise ein guter Anfang ist für das Thema, um das es mir hier geht: Wenn wir wissen, dass wir nur dieses eine Leben haben und jeder Tag, der verstreicht, nie wieder zurückkommt, warum leben wir dann nicht auch so?

Mein Eindruck ist, dass sich in unserem westlichen Lebensstil ein Irrglaube etabliert hat, eine Lebensweise, die vor allem ein Aufschieben und ein Warten beinhaltet. Viele von uns gestalten ihr Leben, als würde für alles Gute und Schöne noch ausreichend Zeit bleiben und als müsse man erstmal durch die Täler des Frustes, der Disziplin und des Verzichts gehen, um dann irgendwann die Frucht zu ernten und dann das Leben beginnen zu lassen.

„Ich mache das jetzt erstmal die drei Jahre und dann …“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

„Ich muss jetzt erstmal hierdurch. Später bleibt immer noch Zeit für…“

So oder so ähnlich lauten Sätze, die mir immer wieder von den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen genannt werden. Mir kommen dann immer wieder die zwei gleichen Gedanken in den Sinn:

„Woher weißt du, dass es ein später gibt und dass du später dann dies und jenes tun wirst und dass dies auch wirklich gut wird?“

Und als weiterer Gedanke:

„Alles hat seine Zeit. Unser körperlicher Zustand verändert sich, unsere geistige Verfassung ebenfalls, wir reifen und altern. Unser Umfeld verändert sich und damit auch unsere Lebenssituation. Wie kannst du die Chancen und Möglichkeiten im Hier und Jetzt ungeachtet verstreichen lassen, wenn du noch gar nicht weißt, was die Chancen und Möglichkeiten in der Zukunft bereithalten? Und selbst wenn, dann bist du älter und anders und kannst das, was du jetzt bist, nicht einfach wieder zurückholen.“

Jeder Tag ist kostbar, da wir ihn nur genau einmal haben.

Das Abwarten, Verschieben und Ausharren ist ein überheblicher Umgang mit unserer Lebenszeit. Als würden da noch zwei Leben auf uns warten, in denen wir das Verpasste dann nachholen können. Stattdessen sollten wir jeden Morgen voller Vorfreude und Dankbarkeit für den bevorstehenden Tag sein und ihn zu etwas Besonderem machen. Nicht unbedingt im Sinne von überkandidelten Highlights, als würden wir jeden Tag auf Drogen sein und uns nach dem nächstbesten „Trip“ sehnen. Vielmehr sollte es dabei um ein angenehmes und wohliges Gefühl gehen, mal wieder einen Tag unseres Lebens zu gestalten. Und das ist auch schon das entscheidende Stichwort. Es geht um das Gestalten und nicht um das Überstehen und Durchhalten, wie es viele von uns tagtäglich praktizieren.

quotes-729173_640.jpgWenn wir uns bewusst machen, dass wir nur genau dieses eine Leben haben und jeder einzelne Tag, den wir erleben, niemals wieder zurückkehren wird, dann wird uns das zwangsläufig dazu bringen, den Tag mit Gutem zu füllen.

Natürlich heißt das nicht automatisch, dass alles, was wir im Laufe eines Tages erleben, immer toll ist. Wenn ich überzeugt von der Notwendigkeit eines Zahnarztbesuches bin, diesen jedoch als äußerst unangenehm empfinde, dann lässt sich daran erstmal nichts Tolles finden. Es macht aber einen Unterschied, ob ich mich bewusst dafür entscheide und dann diese Entscheidung auch lebe oder, ob ich mich als Opfer meines Lebens zu dem Termin hinschleppe, mich selbst dafür bemitleide, dort sein zu müssen und den Tag einfach nur schnell hinter mich bringe.

Ich glaube daran, dass es sich lohnt, Dinge sein zu lassen, die wir nicht mögen, anstatt uns einzureden, dass es nun mal gerade so sein muss. Entweder finde ich gute Gründe, warum ich die Situation gerade so haben möchte – ganz gleich, wie unangenehm sie auch sein mag – entscheide mich damit aber bewusst, gestalte also mein Leben. Alleine dieser Kniff kann schon einen Stimmungswandel hervorrufen. Oder aber ich stoße die Dinge ab, die einfach nicht zu mir passen und sich nicht gut anfühlen. Denn in diesem einen Leben können wir entscheiden und das jeden Tag.

Unsere Haltung ist der entscheidende Faktor. Jeden Tag bewusst zu leben und mit Dankbarkeit anzunehmen bedeutet, nichts zu tun, das wir nicht tun wollen, das, was wir tun mit Bewusstheit zu erleben und für alles, was sich Schönes und Unerwartetes ergibt, dankbar zu sein.


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