Posted by admin  |  January 31, 2020

Es ist mal wieder „Grippezeit“ und damit die Zeit der vielen Kompromisse, persönlichen Dilemmata und inneren Konflikte. Warum das so ist? Weil viele von uns, mich eingeschlossen, ein hochgradig schlechtes Gewissen empfinden, krank zu sein und nicht wie gewohnt und wie vielleicht auch erwartet, „funktionieren“ zu können.

cold-1284030_640.jpgSeit mittlerweile zwei Wochen schlage ich mich mit einer Erkältung herum – wobei, so richtig ist nicht klar, was genau ich eigentlich hatte bzw. habe. Jedenfalls ging es mir körperlich schlecht und ich habe etliche Tage das Bett gehütet. Das Gedankenkarussell, das hierdurch entfacht und befeuert wurde, war spannend und erschreckend zugleich, da das Narrativ dieser Gedanken war: „Ach wie blöd, ich soll/will/muss doch dies und jenes tun.“ Natürlich ist mir dieser Mechanismus kein unbekannter. Bereits in der Schule hat es sich extrem unangenehm angefühlt, krank zu sein und dadurch jede Menge Stoff zu verpassen und nachholen zu müssen. Diese Dynamik setzt sich nun im Bereich der Arbeit fort, immer mit dem Blick auf das gerichtet, was alles erledigt werden müsste und nun von mir nicht erledigt werden kann. Doch wann genau beginnt dieses absurde Verhalten, dass sich unsere Prioritäten derart merkwürdig verschieben, dass wir unsere künstlich erschaffenen schulischen, beruflichen oder anderweitigen Verpflichtungen höherstellen als unsere eigene Gesundheit? Zum Neuen Jahr wünschen wir uns alle gegenseitig ein in erster Linie „Gesundes neues Jahr“ und betonen damit die Wichtigkeit der eigenen Gesundheit für das weitere Leben. Leider wird dieser Standard im alltäglichen Treiben schnell vergessen oder bewusst aufgegeben, um den vielen Aufgaben und Verpflichtungen, Verbindlichkeiten und vermeintlichen Wichtigkeiten gerecht zu werden.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass unsere gesellschaftliche Struktur uns diesen Standard vorgibt und wir diesen von klein auf immer wieder vermittelt bekommen. Hierdurch erscheint uns diese Form der Prioritätensetzung irgendwann als normal, schließlich machen das ja alle so. Nur allzu gut kann ich mich an die Bewertungen meiner körperlichen Verfassung in meiner Kindheit erinnern: „Ist doch nur ein Schnupfen“, „Das hatte ich letzte Woche auch und war trotzdem in der Schule“, … Ich kann mich erinnern, dass sogar einmal ein Mädchen dafür ausgezeichnet wurde, dass sie keinen einzigen Fehltag im ganzen Schuljahr hatte. Aus heutiger Sicht frage ich mich, was soll das?!

Ich halte es für eine der wichtigsten Fähigkeiten, sein eigenes Befinden wahrnehmen und einordnen zu können. Je besser es uns gelingt, in uns hineinzufühlen und wahrzunehmen, was mit uns los ist, desto eher können wir ein passendes Verhalten an den Tag legen, uns in die passende Umgebung begeben oder auch einfach nur unseren Mitmenschen besser beschreiben, was gerade mit uns los ist. Je mehr wir diese Fähigkeit dafür nutzen, uns selbst zu manipulieren, indem wir uns davon überzeugen, dass es halb so wild ist und wir uns nicht so anstellen müssen, desto mehr wird unser körperliches und emotionales Empfinden verkrüppeln. Unser Körper schaltet dann ganz automatisch in einen „Funktionier-Modus“, der jede körperliche Regung herunterregelt, so dass sie kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind Menschen, die das ganze Jahr über nur zwei bis drei Mal einen Schnupfen haben und kaum, dass der erste Tag des Jahresurlaubs angebrochen ist, mit dicker Erkältung im Bett liegen. Der Körper hat dann einfach weiterfunktioniert, bis sich endlich eine Gelegenheit ergeben hat, in der dieser „Funktionier-Modus“ abgeschaltet wurde und die körperliche Befindlichkeit wieder aufblühen konnte.

Um diesen Mechanismus zu unterbrechen, bedarf es leider aber jede Menge eigener Arbeit im Rahmen von Bewusstseins- und Achtsamkeitsübungen, um sich selbst und das eigene Verhalten zu reflektieren und bewusst und gezielt in den Körper hineinzufühlen. Denn leider sind wir tagtäglich umgeben von Menschen, die den „Funktionier-Modus“ für sich perfektioniert haben sowie einer Medienwelt, die uns ebenfalls von diesem Prinzip überzeugen möchte. „Trotz Erkältung voll im Leben“ – So lautet der Werbeslogan von Aspirin Complex, der vor einigen Jahren rauf und runter gebetet wurde in Radio und Fernsehen. Die ganz offensichtliche Frage hierbei ist: Warum?!!! Warum müssen wir voll im Leben sein, wenn unser Körper ganz offensichtlich eine große Baustelle zu bewerkstelligen hat? Was und wer kann so wichtig sein, dass wir darüber unser höchstes Gut, unsere eigene Gesundheit, aufs Spiel setzen?

Aufs Spiel setzen ist übrigens keinesfalls eine Übertreibung, denn Aspirin Complex (so wie jeder andere Erkältungshemmer) ist ein wahres Teufelszeug!

Online lassen sich folgende Nebenwirkungen nachlesen:

  • Mögliche Aspirin-Complex-Nebenwirkungen sind:
    • Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, die in sehr seltenen Fällen zu einem Durchbruch führen können
    • Magen-Darm-Blutungen
    • schwere allergische Reaktionen, die besonders bei Patienten mit Asthma auftreten (mit Atemnot, Reaktionen der Haut, Blutdruckabfall)
  • Weitere Nebenwirkungen, die einer Abklärung durch den behandelnden Arzt bedürfen, sind:
    • ein erhöhtes Blutungsrisiko
    • Beeinträchtigungen der Magen-Darm-Region (Magenschmerzen, Beschwerden bei der Verdauung, Entzündung der Magenschleimhaut)
    • ein Anstieg der Leberwerte
    • Herzrasen
    • eine verminderte Urinausscheidung (besonders bei Patienten mit einer Vergrößerung der Prostata)
    • Schlaflosigkeit, Halluzinationen oder andere Wirkungen auf die Wahrnehmungskraft
    • lokale Hautreizungen (Ausschlag, Nesselfieber, Juckreiz)

Wer jetzt vielleicht denkt, ja okay, Nebenwirkungen werden ja für jedes Präparat ausgeschrieben, den überzeugen möglicherweise folgende Warnungen:

„Besonders älteren Patienten können empfindlich auf die Aspirin-Complex-Inhaltsstoffe reagieren. Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem wie Schlaflosigkeit oder Halluzinationen sind möglich.“ (Quelle: 1)

„Jugendliche unter 16 Jahren sollten Aspirin Complex nicht ohne Absprache mit einem Arzt anwenden. Eine Einnahme bei Kindern kann möglicherweise zu dem äußerst seltenen, aber lebensbedrohlichen Reye-Syndrom führen.“ (Quelle: 1)

Der Mediziner Dr. Dr. T. Weigl beantwortet auf seiner Website obendrein Patientenfragen u.a. folgendermaßen:

„Wenn Sie eine Erkältung in Kombination mit einer verstopften Nase haben, kann das Medikament die Symptome lindern. Wichtig ist aber: Das Mittel lindert nur die Beschwerden, es bekämpft nicht direkt die Erreger. Dagegen bleibt die wichtigste Maßnahme: Ausreichend Schlaf und Schonung. Sie sollten das Medikament außerdem nicht über drei Tage hinaus einnehmen.“ (Quelle: 2)

Es zeigt sich also, das Prinzip muss das gleiche bleiben: Viel Schlaf und Ruhe und nichts mit „Funktionier-Modus“.

Ziel sollte es aus meiner Sicht sein, dass wir lernen und uns bewusst machen, dass wir uns selbst mehr wert sein sollten als alles, was wir so in unserem Leben tun. Alles kann so lange warten (und dabei ist es völlig egal, wie lange das tatsächlich ist), bis wir wieder vollständig auf der Höhe sind und mit einem guten Gefühl und ausreichend Energie unsere Aufgaben anpacken können. Ich glaube, wenn wir der Meinung sind, die Welt würde sich ohne uns nicht weiterdrehen und irgendetwas oder irgendjemand könnte nicht mal ein paar Tage oder auch ein paar Wochen auf uns verzichten, dann nehmen wir uns selbst zu wichtig. Denn eigentlich dreht sich die Welt immer einfach weiter, Dinge regeln sich, Lösungen werden gefunden. Das Einzige, was irgendwann nicht mehr einfach weiterlaufen wird, wenn wir uns nicht liebevoll und einfühlsam darum kümmern, sind wir selbst, ist unser Körper und unsere Psyche. Also sollten wir unserem Wohlbefinden und unserer Gesundheit die meiste Zeit von allem widmen!

 

Quellen:

https://www.netdoktor.de/medikamente/aspirin-complex/

https://www.doktorweigl.de/medikamente/aspirin-complex-das-erkaeltungsmittel-wie-sinnvoll-ist-diese-wirkstoffkombination-12068/#Aktuelles_aus_der_Forschung_Hilft_Aspirin_bei_Depressionen

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Aspirin-Die-gefaehrlichen-Nebenwirkungen,aspirin106.html


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