Posted by admin  |  February 15, 2019

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Lesezeit: 5 Minuten

Als erstes Projekt beim Grünen Elefanten vorstellen möchte ich gerne „Kiez & Land“, eine Initiative in Berlin, die sich für eine solidarische Landwirtschaft einsetzt.

Durch einen Arbeitskollegen meines Mannes sind wir auf diese Initiative aufmerksam geworden und nach zwei Monaten Probezeit waren wir mehr als überzeugt, dass wir gerne mitmachen möchten.

Man glaubt gar nicht, was man zu sehen bekommt, wenn man „echtes“ Obst und Gemüse von einem richtigen Bauernhof bezieht. Wir Großstädter können uns vermutlich kaum vorstellen, dass Obst und Gemüse natürlicherweise kaum so aussieht, wie es uns üblicherweise im Supermarkt anstrahlt. Von Sand und Dreck überzogen, teilweise krumm und schief, ohne Glanzschicht, sondern eher matt und farblos, so würde ich die Ernteerträge beschreiben, die uns jede Woche erreichen – einfach großartig! Mal ganz zu schweigen von dem außergewöhnlich intensiven Geschmack, den Gretes Lebensmittel besitzen. Ich würde fast sagen, bei einigen Obst- und Gemüsesorten wusste ich gar nicht, wie diese eigentlich schmecken können.

Seit 2012 bezieht die Gruppe rund um „Kiez & Land“ die Ernteanteile von der Landwirtin Grete Peschken, die in Stierow (Mecklenburg Vorpommern) ihren Bauernhof hat. Auslöser für diese Kooperation war das Bedürfnis der beteiligten Personen, zu wissen, woher das Gemüse kommt, das sie verzehren und wie dieses angebaut wird. Entstanden ist eine große Gemeinschaft, die aktuell Kapazitäten für 80 Ernteanteile (also Personen oder Personengruppen, die einen Anteil des Gemüses abholen) bietet und damit 1/3 von Gretes Ernten bezieht.

Die Gründe für das Entstehen von „Kiez & Land“ werden sehr anschaulich auf der Website beschrieben und möchte ich daher hier zitieren:

„Wir möchten weg von einer ausbeuterischen Agrarindustrie hin zu einer unabhängigen, bäuerlichen Landwirtschaft. Darunter verstehen wir einen nachhaltigen, artenreichen Anbau samenfester Sorten, der auf Mensch, Tier, Böden und Natur gleichermaßen Rücksicht nimmt. Wir wollen damit auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Produkte, die nach den genannten Prinzipien angebaut werden, sollen allen Menschen zur Verfügung stehen. Erzeugerin und Abnehmer stehen in gegenseitiger Verantwortung und bilden eine Solidargemeinschaft mit unabhängigen Strukturen.“
„Wir bezahlen auf Basis der für die Produktion anfallenden Kosten und entkoppeln dadurch den Warenwert vom herrschenden Marktpreis. Durch die unabhängige Finanzierung kann der Hof selbstbestimmt wirtschaften – weitestgehend frei von sogenannten Sachzwängen und Marktdruck. So kann eine auf Naturschutz, Artenvielfalt und Humusaufbau basierende Landwirtschaft mit fairen Arbeitsbedingungen für alle Menschen auf dem Hof entstehen. Die direkte Lieferung macht unsere Gemeinschaft unabhängig von anderen Vertriebswegen.“

Gretes Obst und Gemüse ist nicht nur ungespritzt und wird nach natürlichen und nachhaltigen Prinzipien angebaut, sondern obendrein pflanzt die Bäuerin auf ihrem Hof auch inzwischen selten gewordene Obst- und Gemüsesorten an. Nähere Infos zu Grete Peschken und ihrer Geschichte sowie Bilder von ihrem Hof findest du hier: https://kiezundland.wordpress.com/uber-grete/

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Das Prinzip von „Kiez & Land“ als Initiative für eine solidarische Landwirtschaft in Berlin basiert auf einer komplett selbstorganisierten Gruppe, die auf ehrenamtlicher Basis tätig ist. Demnach verpflichtet sich auch jedes Mitglied zur aktiven Teilhabe an dem Projekt in Form von Ernte- und Stadteinsätzen. Ernteeinsätze sind direkt bei der Erzeugerin möglich, jedoch nicht verpflichtend, aufgrund der Distanz zu ihrem Hof. Stadteinsätze können vielfältige sein und richten sich nach Können und Lust, so z.B. Einsätze in den Abholstellen, Mithilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederverwaltung, etc.

Wer nun Interesse an der Initiative „Kiez und Land“ entwickelt hat, kann sich natürlich ausführlich auf deren Website informieren: https://kiezundland.wordpress.com/

Zu Beginn ist es möglich, eine Probezeit zum regulären Beitrag in Anspruch zu nehmen, die sich über zwei Monate streckt. Wer sich dann für eine Mitgliedschaft entscheidet, zahlt jeden Monat 60€, unabhängig davon, ob und wie viel Obst und Gemüse geliefert werden kann. Auf diese Weise erhält Grete Planungssicherheit für ihren Hof und ihre Mitarbeiter, was das solidarische Prinzip ja letztlich ermöglichen soll.

Abholstellen befinden sich derzeit in Schöneberg, Treptow und Pankow. An allen drei Orten gibt es freie Plätze, so dass du gerne einsteigen kannst.


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