Posted by admin  |  February 21, 2019

Soeben habe ich für meinen Basketballverein einen Antrag vorbereitet, der aus meiner Sicht für einen positiven Schritt in die richtige Richtung rund um faire Produktionsbedingungen steht. Aus diesem Grund möchte ich hier gerne davon berichten.

Wer in einem Sportverein tätig ist, der weiß, dass dort immer viel Material benötigt wird. Neben Sportgeräten, Bällen, Hütchen und anderem Bedarf zur Trainingsdurchführung sind das häufig Textilien wie Trikots, Shirts, Hosen, Socken, etc. Gerade im Bereich des Teamsports werden hier meist große Stückzahlen benötigt, um eine ganze Mannschaft oder gleich mehrere auszustatten.

Nun ist es auch kein Geheimnis, dass Sportvereine üblicherweise gut mit ihrem Geld haushalten müssen. Größenteils aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, muss so ziemlich alles, was innerhalb und um den Verein herum an Kosten anfällt, durch diese gedeckt werden. Im Zusammenhang mit dem beschriebenen Bedarf an Materialien ist es daher nicht überraschend, dass in den meisten Fällen nach dem Prinzip „je günstiger, desto besser“ entschieden wird, bei welchem Anbieter der neue Trikotsatz oder ein neuer Satz Bälle bestellt wird. Die Qualität der Anschaffungen sowie insbesondere die Herstellungsbedingungen sind dabei typischerweise keine berücksichtigten Kriterien. Das soll sich ändern!


Der Landessportbund Berlin hat eine Kampagne ins Leben gerufen für mehr globale Gerechtigkeit – auch beim Sport! Das ausgesprochene Ziel der Kampagne mit der Bezeichnung „Berliner Sport – Rund um fair!“ ist die Umstellung auf ein nachhaltiges und faires Konsummuster im Berliner Sport. Kick-Off dieser Kampagne war bereits am 13.07.2017.

Was verbirgt sich konkret hinter der Kampagne?

Der Landessportbund Berlin unterstützt Anschaffungen von Textilien und Materialien, die unter den Kriterien fairer Produktions- und Handelsbedingungen erfolgen, mit finanzieller Bezuschussung. Ziel soll es sein, mehr Berliner Sportvereine dazu zu bringen, auf faire Bedingungen im Zusammenhang mit dem Erwerb von Sportartikeln zu achten und Wert zu legen.

Unabhängig von der Tatsache, dass es erstmal ein toller Ansatz ist, Fördergelder bereitzustellen, um auf diesem Weg einen faireren Handel zu unterstützen, stellt sich die Frage, was sich hinter dem Wort „fair“ in diesem Zusammenhang verbirgt. Welche Voraussetzungen werden geprüft und was steckt konkret dahinter?

In den Förderrichtlinien des LSB Berlin heißt es:

Die Sportartikelhersteller müssen dabei über ein entsprechendes Nachhaltigkeitszertifikat (z.B. FLO, WFTO) verfügen und nachweisen können, dass menschen- und arbeitsrechtliche Standards bei der Produktion eingehalten werden.

Soweit so gut. Der Sportartikelhersteller muss also ein Zertifikat besitzen. Was genau verbirgt sich jedoch hinter Abkürzungen wie „FLO“ oder „WFTO“?

FLO“ steht für „Fairtrade Labelling Organizations International“. Es handelt sich dabei um einen Verein, der die heutigen Standards des fairen Handels entwickelt und Produzentenkooperativen, Kleinbauern- und Hired-Labour-Organisationen in Entwicklungsländern darin begleitet, die Anforderungen des fairen Handels zu erfüllen.

Hinter FLO verbirgt sich das Fairtrade-Siegel, das die meisten sicherlich kennen.

Eine genauere Darstellung, wie sich FLO zusammensetzt und welche FAIRTRADE-Standards der Verein verfolgt, sind auf der Website in einer übersichtlichen Darstellung zu finden: https://www.fairtrade.de/cms/media/pdf/FAIRTRADE-Zertifizierungssystem_im_Detail.pdf

WFTO steht für „World Fair Trade Organization“ und zeichnet Unternehmen aus, die sich für eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungsländern einsetzen. Auch hier gibt es eine Übersicht der Standards, denen die WFTO im Zertifizierungsprozess folgt. Die Übersicht ist etwas umfangreicher und hier zu finden: https://wfto.com/sites/default/files/WFTO%20Standard%204.1%20-%20interactive.pdf

Eine weitere Zertifizierungsinstanz, auf die ich in diesem Zusammenhang gestoßen bin, ist WRAP (Worldwide Responsible Accredited Production), eine NPO, die sich hauptsächlich auf Kleidung, Schuhe und genähte Produkte spezialisiert hat. Zertifiziert werden ausschließlich Produktionsfirmen, keine Marken oder Unternehmen.

Der Standard beinhaltet u.a.:

  • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
  • Verbot von Diskriminierung
  • Recht auf Vereinigungsfreiheit, auf Organisation in Gewerkschaften und kollektive Lohnverhandlungen
  • Festlegung der Höchstarbeitszeit


Auf der Website von WRAP finden sich die 12 Prinzipien der Organisation: http://www.wrapcompliance.org/en/12-principles

Nun zurück zum Landessportbund Berlin und der angebotenen Förderungsmöglichkeit: Grundsätzlich gilt, dass dieses Angebot sicherlich für jeden Verein eine gute Möglichkeit darstellt, sich bewusster mit faireren Produktionsbedingungen auseinanderzusetzen und einen Beitrag zu leisten. Wer das Angebot nutzen möchte, muss sich zwangsläufig mit den verschiedenen Herstellern und ihren Produktionsbedingungen auseinandersetzen und alleine das ist schon ein wichtiger Schritt.

Die Links zu weiteren Informationen über die Kampagne sind hier unten aufgeführt.


Links

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