Posted by admin  |  March 28, 2019

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Lesezeit: 6 Minuten

Mit einem sympathischen Lächeln winkte mir eine junge Frau gestern aus ihrem Auto zu, als ich in Waidmannslust darauf wartete, die Erfinder von oHnig kennenzulernen. Diane nahm sich netterweise die Zeit, mir ihren kleinen Betrieb und die dahintersteckende Idee vorzustellen und meine Fragen zu beantworten. 

Andreas-Diane-500x474.jpgUnter dem Firmennamen “Fräulein Emma’s Bio Manufaktur” haben Diane und ihr Mann Andreas einen veganen Honigersatz entwickelt, der nicht nur wie Honig aussieht, sondern auch so schmeckt! “Das ist mein Lieblingshonig”, soll ihre Tochter Emma nach der ersten Kostprobe begeistert gesagt haben und sich gewissermaßen dadurch für die Namensgebung der Firma qualifiziert. Eine süße Idee und ein schöner Name, wie ich finde. 

Dianes Mann Andreas ist gelernter Koch und hat im Jahr 2016 das Catering bei einer Veranstaltung gemacht. Kurz vor Beginn erfuhr er, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer sich ausschließlich vegan ernährt, so dass er kurzfristig umplanen musste. An sich kein Problem, nur die Honig-Senf-Sauce hat ihm damals Schwierigkeiten bereitet. Honig, keine wirklich vegane Zutat. Andreas begab sich also auf die Suche nach Ersatz, wurde jedoch nicht so richtig fündig. Flüssige Süßungsmittel gibt es natürlich etliche, aber nichts davon schmeckt wie Honig. 

oHnig3.jpgGeboren war also die Idee für eine vegane Honigalternative. Nach einigem Herumprobieren hatte Andreas nach kurzer Zeit tatsächlich eine süße Klebrigkeit zusammengemischt, die nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich voll und ganz mithalten kann mit der klassischen Variante. 

Mittlerweile ist oHnig nicht nur über einen Online-Shop erhältlich, sondern auch in etlichen Supermärkten zu finden. Eine Liste aller Partner findet ihr hier

Nun könnte man meinen, bei dem Vegantrend, der vor allem in Großstädten wie Berlin spürbar ist, sollte veganer Honig genau in die richtige Kerbe schlagen. Bisher betreiben die beiden das Geschäft jedoch nur nebenberuflich. Als herausfordernd beschreibt Diane das Vertreiben eines Bioproduktes. Alleine der aufwändige Zertifizierungsprozess hat die beiden viel Zeit und Geld gekostet. In der Realwirtschaft merken sie darüber hinaus den scharfen Wind des Profits, da nach wie vor viele Großhändler nicht bereit sind, den etwas höheren Preis für oHnig zu zahlen und stattdessen lieber auf die schon verbreiteten Alternativen zurückgreifen. 

oHnig2.jpgDabei gibt es jede Menge gute Argumente für “Fräulein Emma’s” oHnig: So verwendet Andreas bei der Herstellung Rübenzucker aus Deutschland. Und jetzt wird es mal wieder ganz verrückt; Alternativprodukte, die mit Rohrohrzucker angerührt werden, können günstiger verkauft werden als das regionale Produkt. Das Herschiffen von südamerikanischem Zuckerrohr kostet die Produzenten faktisch weniger als das Erwerben der Zuckerrüben von deutschen Bauern. Und so wird den beiden Idealisten der Vertrieb ihres oHnig deutlich erschwert. 

Schade, denn neben der Regionalität ihrer Inhaltsstoffe legen Andreas und Diane großen Wert auf die Vermeidung von Plastik. In kleinen Glastöpfen kann oHnig erworben werden und auch hier zeigt sich eine weitere Absurdität: Dieser eigentlich so vorbildliche Ansatz erschwert dem Produkt den Einstieg in den gastronomischen Bereich. So hat Diane berichtet, dass insbesondere Hotels kleine, separat abgepackte Portionen bevorzugen. Wir alle kennen ja die kleinen Schokocreme- oder Frischkäse-Päckchen, die ein klassisches Hotelbuffet bereithält. Natürlich alles plastikverpackt.

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Toll und bewundernswert trotz dieser Hürden ist Dianes positive und gelassene Art, wenn sie über ihren oHnig spricht. “Das ist unser Baby. Ein Baby muss ja auch langsam wachsen”, beschreibt sie den Spagat zwischen Erwerbsarbeit, Kleinfamilie und selbständigem Unternehmen mit einem verschmitzten Lächeln. Die Gründerin ernährt sich seit dem Start von “Fräulein Emma’s” ausschließlich vegan und scheint an der Auseinandersetzung mit Lebensmitteln und ihrer Herkunft und Herstellung großen Gefallen gefunden zu haben. Bestimmt auch deswegen gibt es in ihrem Kopf Ideen für weitere Produkte, so dass wir darauf hoffen können, bald noch mehr vegane Köstlichkeiten bei “Fräulein Emma’s” zu bekommen. 

Nun aber mal zur wichtigsten Frage: Wie schmeckt oHnig denn nun? 

oHnig4.jpgNeben mir steht gerade ein Teller mit einer mit oHnig beschmierten Brötchenhälfte - die andere wurde von mir schon verdrückt - und ich kann nur sagen “Yummie!”. Ich habe die Sorte Lavendel probiert und würde sogar so weit gehen zu sagen, dass mir diese besser schmeckt als Bienenhonig. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass ich ewig keinen Honig mehr gegessen habe. Der oHnig schmeckt irgendwie geschmackvoll würzig und nicht einfach nur süß. Das gefällt mir.  

Jetzt betrifft das Thema Honig natürlich nicht nur die Süßschnäbel, die morgens gerne ein Honigbrötchen genießen. Es ist kein Geheimnis, dass viele Süßigkeiten, Müslis und ähnliches mit Honig gesüßt werden. Auch hierfür lohnt es sich, den Versuch mit oHnig zu wagen. Der goldene Sirup lässt sich nicht nur gut in einem Porridge verarbeiten, sondern eignet sich auch prima zum Süßen von Heißgetränken. Hierfür solltet ihr auf Empfehlung von Diane vielleicht besser eine der beiden anderen Sorten Holunderblüte oder Blütenmix verwenden, da der Lavendelhonig den stärksten Eigengeschmack hat.  

beehive-3703426_640.jpgAlbert Einstein hat mal gesagt: “Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.” Wer das Thema Bienensterben und Massentierhaltung ernst nimmt, der sollte sich demnach auch um den Verzehr von Honig Gedanken machen. Denn ja, auch Bienen werden von uns Menschen künstlich zu tausenden auf engstem Raum zusammengefercht. So wie auf diesen Bildern hier sieht jedenfalls nicht der natürliche Lebensraum einer Biene aus. 

beekeeper-2650663_640.jpgDarüber hinaus benötigen die Bienen ihren Honig selbst, da dieser viele wichtige Stoffe beinhaltet, um die Bienen vor Parasiten und Milben zu schützen. Gerade auch deswegen wird das Bienensterben ein immer größeres Problem. Wenn wir den Honig essen, müssen die Bienen mit künstlichem Ersatz gefüttert werden, der sie widerum nicht vor Milbenbefall schützen kann. 

Warum also all das in Kauf nehmen, wenn es eine so leckere und bienenfreie Alternative gibt? 

Wer Lust bekommen hat, den oHnig mal zu probieren, der sollte unbedingt zuschlagen. Noch bis Ostern spart ihr 15% mit der Osteraktion “Ostern2019”. Mehr Infos dazu findet ihr bei Facebook.


Quellen:

https://www.fraeuleinemmas.de/

https://www.peta.de/honig

 


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